Auszug aus dem Artikel der Mainpost || Online-Ausgabe vom 11.10.2009, 15.54 Uhr || Text: Uwe Eichler und Hannes Helferich

Nacht der Kultur: G(l)anz im Regen


Nicht die schlechteste Performance, Nacht der Kultur; in Schweinfurts Innenstadt das ganze Weltall zu verspeisen:
Das wird durch Injera, ein kreisrundes, schwammig gebackenes Fladenbrot aus Abessinien symbolisiert.
Tolle Stimmung bei der kleinen eritreischen Gemeinde am Main, die sich im Interkulturellen Begegnungszentrum für Frauen in der Oberen Straße mit Volkstänzen, einem Kaffeeritual und der exotischen Küche des jungen Staats am Roten Meer vorstellte: Der Olivenzweig in der blaugrünrotgoldenen Landesfahne steht für das friedliche Zusammenleben der neun Völker Eritreas. Auch wenn das Event offiziell gar nicht Teil der zwölften „Nacht der Kultur“ war – er passte als Farbtupfer wunderbar dazu.

Sie überrascht einen immer wieder aufs Neue, die Schweinfurter Stadt-Kultur, so auch die 40 Künstler, Gruppen und Programme, die der KulturPackt über die City verstreut hatte: Das nasskalte Schmuddelwetter sabotierte zwar die eine oder andere Außenaktion, wie die Licht- und Ton-Installation am Rückert-Denkmal, sorgte aber andererseits für „Innerlichkeit“ im Wortsinn. Rund 900 Menschen hatten sich in die Samstagnacht aufgemacht, viele erlebten Kultur pur bis in den Sonntag hinein.

„Ist doch gut, wenn's regnet, dann kommen die Leute wenigstens herein“, meint ein Besucher der frisch eröffneten Weingalerie in der Neuen Gasse. Hier fanden Waso Koulis (die mit „Mentalist“ Benjamin Berger die Magierzunft am Main vertrat), die Folkband Gutmann & Schmolz und nicht zuletzt die (b)rassige Balkan-Klezmer-Band Sirba ein volles Haus.

Ebenfalls zum ersten Mal beim Kulturreigen mit dabei: Der Gewölbekeller von Udo Schulz – der empfing am Graben zusammen mit der Schweinfurter Autorengruppe zwei Etagen tief im Trockenen, aber nicht Spröden: trotz beengter Verhältnisse hatte die musikalische „Lesung unter der Stadt“ Flair. Der Optiker „Die Brille“, ebenfalls ein Neueinsteiger im Programm, schärfte alle Sinne mit singenden Sägen, Jazz und Klassik. Als außergewöhnlichster Ort hatten die Roßmarkt-Toiletten ihre Premiere und sie kamen – vermutlich wegen des Standorts und Programms (erotische Lyrik von Manfred Manger und Musik von Mad Bob sehr gut an.

Ein regelrechtes Kunst-Kraftwerk war das Atelier Blume ARTep, wo eine Lesung mit der Würzburger Autorin Sandra Maus, stadtgemachte „electric-youth“-Musik, der bizarre Mr. Tsk oder die Folk-Rocker „Maix Minions“ nur Teile des abendfüllenden Ganzen waren. Schweinfurts Volksschauspielerin Christine Hadulla widmete sich im Stattbahnhof bajuwarischen Sauereien, Mia Pittroff schillerte in der Buchhandlung Collibri mit flatterhafter bis grotesker Franken-Comedy und „Karl dem Pinguin“.

Flächendeckend vertreten waren in diesem Jahr die Latinos: mit Bossa Nova ? la Genivan (Brasilien), den Chansonniers Swantje & Carlos Justiniano (Chile), dem argentinischen Tango-Duo Cardozo, und das Querbeet-Quintett Encuentro Musical (Schweinfurt). Andere heimische Gewächse wie der Bercher Chor der elf „Pr8männer“ in der Reichsvogtei rundeten das vielseitig kombinierbare Angebot ab.

Mit wirbelnden Bällen, einem Telefon und den sonstigen Tücken des Alltags befasste sich Jongleur Matthias Romir in einem gut besuchten Finale vor dem Rathaus: ein surreales, leicht psychedelisches Ambiente. Nach einem hinsichtlich Länge, Vielfalt und Farbenpracht bisher einmaligen und deshalb auch umjubelten Feuerwerk – da war es schon nach Mitternacht – war noch lange nicht Schluss: Die Disharmonie etwa lockte mit preisgekrönten Kurzfilmen, im Stattbahnhof gab es ein gemischtes Doppel aus Harfenmusik und den rotierenden Pop-Rock-Collagen der „Mash Machine“.

Wetterbedingt etwas unterkühlt, war die vielleicht eigentliche Entdeckung der Nacht der Kultur 2009 die Stadt selbst: Der Regen wies den Weg zum sonst oft verborgenen Nebengassen-Charme Schweinfurts.

den kompletten Artikel gibt es hier:  Mainpost
 
 

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